[Artikel] Ist Influencer-Marketing am Ende?

  • Ist Influencer-Marketing am Ende?

    Mit Influencer werben ist gerade der Trend schlechthin – wer etwas von sich hält, der engagiert Influencer. Und die Medien wirken bei der Berichterstattung darüber oft überfordert.

    In diesem Text werfen wir einen allgemeinen, analysierenden Blick auf das Influencer-Marketing. Ausgangspunkt für diesen Artikel ist das TubePro-exklusive Interview mit dem Journalisten und Berater Torsten Herres.

    Wieso lassen wir uns überhaupt von Influencern beeinflussen? Grundsätzlich kann man sagen, dass wir sehr empfänglich gegenüber Empfehlungen sind. Wenn dir ein Freund Smartphone XY empfiehlt, vertraut man ihm und kauft es unter Umständen sogar.[Bericht leider nur auf Englisch] Diese nahbaren Personen sind sehr wertvolle Entscheidungshilfen.

    Influencer nutzen genau das aus. Indem sie ihre Fans als ‘Freunde’ bezeichnen, intime Details aus ihrem Leben erzählen und sich durch Vlogs den ganzen Tag durch begleiten lassen, werden sie für den Zuschauer tatsächlich zu einer Art Freund. Man weiss sehr viel über diese Person und durch Kommentare, FAQs und Umfragen kann man mit ihnen sogar direkt oder indirekt interagieren – etwas, was mit früheren Stars unmöglich war.

    Diese positive Fanbildung schafft Nähe, die realistisch gesehen gar nicht existiert. Wenn dann das Idol von dieser einen Creme schwärmt, vertrauen wir ihr. Weil wir den Influencer vermeintlich gut kennen, weil er ja so nahbar und echt ist. Genauso, wie wir unsrem Freund vertrauen würden.

    Gerade die junge Zielgruppe im Alter von 14-18 Jahren lasse sich leicht von Influencer-Marketing beeinflussen. Herr Herres begründet das folgendermassen:

    Torsten Herres schrieb:

    Das liegt vermutlich daran, dass diese zum Teil
    noch nicht begreifen, dass irgendeine Präsentatorin oder ein Präsentator das
    Produkt nicht wirklich "so geil" findet, sondern schlicht dafür
    bezahlt wird, dieses positiv zu präsentieren

    Diese kritische Haltung fehlt eben insbesondere jungen Menschen. Deshalb ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass YouTuber oft viele Kinderfans haben. Und trotzdem ist es genau diese Zielgruppe, die viele Marken anzusprechen versuchen. Je früher man die Verbindung zu einer Marke schafft, desto stärker wird sie.

    Gerade weil junge Menschen immer weniger über klassische Werbung im TV oder in Zeitungen angesprochen werden können, ist Influencer-Marketing für viele Firmen sehr interessant. Schlussendlich bringt es viele Vorteile aus Sicht der Werbenden mit sich. So erreicht man direkt nicht nur die Alterszielgruppe, sondern oft auch noch direkt die entsprechenden Interessensgemeinschaften. Die Werbung ist also wesentlich zielgerichteter um damit um einiges effizienter als konventionelle Werbeformen.

    Dass man nicht beliebige Influencer für seine Kampagne wählen darf, zeigt sich schön an folgendem Waschmaschinen-Beispiel:

    Und weiter:

    Torsten Herres schrieb:

    Ich muss im Marketing ja generell alle
    angestrebten Zielgruppen eines Herstellers und über alle geeigneten Wege
    bedienen. Es geht nicht nur um YouTube oder einzelne soziale Netzwerke, die
    mir, meiner Altersgruppe oder meiner Person vertraut sind

    Influencer-Marketing ist also nicht das Allheilmittel.

    Einer der grössten Vorteile von Influencer-Marketing sind aber wohl die unklaren Grenzen. Es ist etwas anderes, ob man das Produkt in einem Werbespot vor dem YouTube-Video angezeigt bekommt, oder ob es der YouTuber selber vorstellt. Die Grenzen zwischen Werbung und Inhalt verwischen zunehmend. Mit Influencern kann man viele verschieden Werbeformen umsetzen. Besonders geeignet ist insbesondere die Steigerung der Brand Awareness: man schenkt Influencern Klamotten, Autos etc. mit dem Logo drauf. Diese werden später mit grosser Wahrscheinlichkeit immer wieder mal auftauchen. Das funktioniert genau wie die gesponserten Sonnenschirme von Bier- oder Eis-Marken. Ausserdem schafft man es so, die positiven Gefühle gegenüber dem Influencer auf das Produkt zu übertragen.

    Eine Waschmaschine bleibt laut Herres aber trotzdem ungeeignet für Influencer-Marketing. Da scheitert es nicht nur an der Zielgruppe, sondern auch am Wissen der Influencer selber:

    Herr Herres vertritt die Meinung, dass der Hype langsam vorbei ist. Das zeige sich beispielsweise bei Unilever (Ben & Jerry, Axe, Dove,..), die Zukunft nicht mehr so intensiv mit Influencern zusammenarbeiten. Offenbar sind gekaufte Follower der Grund dafür. Auch die abgesagten Videodays seien symptomatisch für die aktuelle Krise.

    Auf die Frage nach einer Prognose für den Influencer-Markt malte uns Herres ein düsteres Bild:

    Torsten Herres schrieb:

    In fünf Jahren werden wir von Influencern sprechen wie heute von einstigen DSDS-Stars, nämlich gar nicht mehr. Vom Influencer-Marketing werden wir sprechen wie heute von der Zeit, als wir noch StudiVZ nutzten und das Social Media nannten.

    Das sei jedoch ein völlig normaler Prozess, ergänzt Medienexperte Torsten Herres im Gespräch und verweist darauf, dass Digitalisierung auch in der Welt der Medien und Werbung ein stetiger Prozess ist:

    Torsten Herres schrieb:

    Es wird ganz sicher neue Werbeformen ohne Influencer geben. Auch Nachfolgesysteme von YouTube, Facebook, Twitter und Instagram werden sich irgendwann durchsetzen. Wir sind also noch nicht am Ende einer Social Media Entwicklung angekommen, wir stehen erst ganz am Anfang.

    Wir können also festhalten, dass sich Influencer-Marketing langsam dem Ende neigt und den Gipfel womöglich schon überschritten hat. Ob es jemals ganz verschwinden wird? Fraglich. Die Zukunft wird es zeigen.


    Wir bedanken uns herzlich bei Herrn Herres & freuen uns über eine angeregte Diskussion unter diesem Post!



    Hier geht es zu Herrn Herres:

    Website: http://herres.pro/


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